Ironman World Championship Hawaii Rennbericht

Wer sich einmal in Demut üben möchte, dem kann ich den Ironman Hawaii als perfekte Möglichkeit dafür empfehlen…..

Doch erstmal der Reihe nach.

Der Rennmorgen beginnt traditionell früh, sehr früh sogar, denn um 3:30 klingelt der Wecker. Ein Vorteil der westlich reisenden Teilnehmer ist jedoch, dass man mit dem frühen Aufstehen deutlich weniger Probleme hat, als es in unseren Breitengraden der Fall ist.

Nach einem schnellen Frühstück wurden die Wettkampfgetränke angemischt und dann ging es auch schon nach Kona. Dort angekommen, unterzieht man sich erstmal dem traditionellen „Bodymarking“, eine Prozedur die hier feierlich ausgeführt wird. Eigentlich bekommt man nämlich nur seine Startnummer als Tattoo, wie einst in der Bravo, aufgedruckt.

Als nächstes wurde das Bike präpariert und dann hieß es auch schon Abschied nehmen und zum Schwimmstart zu gehen. 2200 Athleten müssen über eine 1,20m breite Treppe ins Wasser und das dauert etwas. Ich entschloss mich recht weit rechts zu positionieren um die Ideallinie schwimmen zu können. Mir war bewusst das die Prügelei dort wohl noch stärker ausfallen würde. Doch erstmal musste ich 20min auf der stelle Wassertreten bis es endlich losging….

Schwimmen:

Als Kind habe ich Judo gemacht, aber leider nach dem orangen Gurt aufgehört. Dies bereute ich während des Schwimmens sehr…..Ultimate Fighting wäre auch eine geeignete alternative Trainingsform um sich auf das hier vorzubereiten:

Hawaii-Ironman-Swim-Start1

 

Trotzdem war ich mit meinem Startplatz ganz zufrieden. Man muss es einfach hinnehmen, dass man ständig geschlagen wird (und auch schlägt). Nach einem feinen Facekick hatte ich dann leichten Blutgeschmack im Mund, was aber eine angenehme Abwechslung zum salzigen Meerwasser darstellte;-) Nicht das jetzt jemand denkt das man mit Absicht prügelt, es lässt sich einfach nicht vermeiden wenn man mit so vielen motivierten Athleten startet und alle um ein paar Bojen wenden müssen. Ich merkte aber schon, dass sich die ersten 1,9km ganz gut anfühlten und so war mir recht klar, dass ich schneller als die angepeilten 75min werde wechseln können.

Bike:

Nach einem langsamen Weg zum Rad, den ich aufgrund meiner Fußschmerzen mehr gehend als rennend zurücklegte, zog ich mir ein extra Shirt gegen die Sonne über das Trikot, welches sich zudem gut kühlen ließ. Alles entscheidend ist es nämlich den Körper hier nicht zu überhitzen, was bei der prallen Sonne leicht passiert.

Nach 1:14h hatte ich mein Rad unterm Hintern und die wilde Aufholjagd konnte losgehen;-) Ich kann nicht sagen wie viele Leute ich auf dem Rad überholt habe, aber es müssten ca 800 gewesen sein. Ich hatte richtig Druck und konnte mit 279Watt nochmal ein Tick besser radeln als beim Ironman Frankfurt. Bis KM 160 war trotz der Hitze und der Sonne eine recht einfache Geschichte. Aber dann kam der Gegenwind und zwar sowas von richtig. Ich fuhr ca 28km/h in der Ebene, zu den sonst üblichen 41km/h. Das alles bei gleicher Wattleistung. Naja, abwarten dachte ich, denn ich überholte ständig weiter. Nach etwas weniger als 4:42h parkte ich mein Rad und hoffte das mein Fuß würde durchhalten können.

Run:

Nach 5:59h begann ich den abschließenden Marathon. Eine super Zeit bis dahin! Ich wollte aber auch hier nicht überpacen und startete genau nach Plan mit 4:12min pro KM. Da es auf dem Ali’i Drive aber eigentlich nie flach ist sondern ständig irgendwelche Wellen kommen ist es nicht ganz leicht konstant zu laufen. Trotzdem kam ich auf den ersten 17km gut zurecht. Ich begann bereits an eine Zeit von um 9h zu denken…

Den menschlichen Bedürfnissen nachkommend legte ich bei KM 19 einen Dixie-Stop ein. Ein großer Fehler, doch wat mutt dat mutt. Sitzend schoss es mir sowas von die Achillessehne, dass ich den Fuß nicht mehr strecken konnte. Von nun an war an laufen nicht mehr zu denken. Ständig wechselte ich von Gehen zu Humpeln und wieder zurück. Dieses Spiel spielte ich knapp 10km lang. Meine Wunschzeit hatte sich bereits in weite Ferne verabschiedet, aber wer auf Hawaii ist finisht gefälligst auch so lange ihn seine Beine tragen. Wenn man dann ziemlich alleine auf dem Queen K entlang geht, kann man wirklich in sich gehen….es sind endlose Minuten, die schnell zu Stunden werden können. Die Hitze drückt und es tut alles weh. Da übt man sich eben in Demut 😉 Irgendwann begann ich es mit einer Umstellung zum Vorfußlaufen zu probieren. Nach anfänglichen Schwierigkeiten klappte dies aber deutlich besser und ich kam wieder einigermaßen ins Laufen. Zumindest musste ich nicht mehr gehen. Insgesamt konnte ich den Marathon dann noch in 3:33h absolvieren. Etwa 30min langsamer als geplant…..

Finish:

Als es dann endlich auf den Ali’i Drive ging war ich froh das Finish erreicht zu haben. Der Ironman Hawaii ist etwas ganz besonderes und man muss das erlebt haben. Unbeschreiblich! Auch wenn ich nicht ganz meine Zeit erreicht habe bin ich überglücklich und freue mich das legendäre Race in meiner Vita stehen haben zu können.

Insgesamt hatte ich eine unbeschreiblich Saison. Hätte mir das vorher einer gesagt, so hätte ich es niemals geglaubt. Nach Problemen im Frühjahr konnte ich in Oberursel gewinnen. Dann habe ich den 9. Platz overall in St. Pölten beim 70.3 erreicht (1. Platz AK und Quali WM Las Vegas). Dann erreichte ich mit 8:51h die Quali für Hawaii in Frankfurt (3. Platz AK). Meine beste Leistung zeigte ich dann bei der 70.3 WM in Las Vegas mit dem 4. Platz AK und dem 48. overall. Das Hawaii dann ergebnistechnisch nicht die Soße auf der Sahne (die hatte ich nämlich schon;-) wurde kann ich mehr als verschmerzen. Einfach ein Wahnsinns-Jahr!!! Jetzt kuriere ich meine kleinen Verletzungen aus und freue mich auf die Off-Season, bevor es Anfang Mitte November wieder los geht. Eins verspreche ich schon jetzt: 2014 werde ich besser schwimmen können 😉

Aloha und Mahalo aus Hawaii

Matthias

P.S Jetzt machen wir hier noch 7 Tage „reinen“ Urlaub 😉

Ein Kommentar zu “Ironman World Championship Hawaii Rennbericht

  1. Hi Matthias, großer Glückwunsch! Wir haben die halbe Nacht am Livestream mitgefiebert – auch wenn dort ganz zu Unrecht immer um die Pros ging. 🙂 Noch einen schönen Urlaub!

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