Wettkampfbericht Ironman 70.3 Türkei

Während ich diese Zeilen tippe, sitze ich gerade am Airport in Antalya. Ich fühle mich so, als ob ich gestern lediglich ein hartes Training gemacht hätte. Dieses Phänomen habe ich schon oft beobachtet. Wenn ein Rennen richtig gut läuft, man also ohne Einbruch am Ende durchlaufen kann, geht es einem im Nachhinein deutlich besser. Sicherlich hat es was mit dem Hormonhaushalt zu tun….aber am nächsten Tag?? Ich werde das mal recherchieren;-)

Finish Turkey

Am Ende steht ein 6. Platz in der Ergebnisliste….bei einem Profifeld was zwar mit 34 Männern nicht besonders groß war, aber doch mindestens 15 Namen aufwies, gegen die ich alle schon verloren habe inkl. Hawaii-Champion Frederik van Lierde. Ich habe mich im Vorfeld wirklich fit gefühlt und auch mit einer Top 10 Platzierung geliebäugelt, aber der 6. Platz ist hervorragend für mich.

Zudem bringt er mir auch schon weitere Quali-Punkte für die 70.3 WM in Australien im kommenden Jahr.

Flo und ich haben ja bereits sieben Tage in Belek trainiert, ehe wir uns die letzten Tage vor dem Rennen ausgeruht haben. Es klingt vielleicht easy die meiste Zeit des Tages am Pool oder in der Lobby zu liegen, aber das ist es nicht, wenn die Anspannung vor einem Rennen steigt und man ständig denkt, dass man mehr trainieren müsste;-)

Zum Glück habe ich mittlerweile doch einiges an Erfahrung in diesem Sport und weiß genau wie sich mein Körper in diesen Ruhephasen anfühlt. Viele Sportler geraten da stets in Panik, doch die physiologischen Prozesse im Körper muss man nur richtig deuten und daher ist es völlig normal, sich in den Ruhephasen vor dem Rennen schlapp zu fühlen. Das geht vorbei;-)

 

Leider begann der Wettkampfmorgen alles andere als positive, da sich Johannes, einer der von mir gecoachten Athleten, wohl eine Lebensmittelvergiftung am Vorabend eingefangen hatte und ab 3:00 früh, ständig zwischen Bett und Toilette in unserem Zimmer hin und her wandelte. Er war super fit und hätte sich mit Sicherheit in der Altersklasse 25-29 für die WM qualifiziert. Schade, aber sowas kommt eben vor. Ähnlich erging es mir im Februar in Dubai…..aber Johannes wird die Quali dann eben 2016 irgendwo anders holen!

Als wir dann noch bei Dunkelheit die Wechselzone erreichten, war ich überrascht, dass das Meer doch verhältnismäßig ruhig war. Kein Vergleich zu den Wellen vom Vortag.

Insgesamt zeigte sich das Wetter am Renntag von einer positiven Seite. Mit Ausnahme riesiger Pfützen, die man eher als Bäche beschreiben könnte, herrschten gute Triathlon-Bedingungen an diesem Tag.

Um Punkt 8:00 erfolgte der Startschuss der Profis. Angeführt von Super-Schwimmer Harry Wiltshire erreichte eine Spitzengruppe, zu der auch der spätere Sieger Frederik van Lierde zählte, gemeinsam T1. Ich versuchte nicht irgendwo dran zu bleiben und schwamm mein eigenes Rennen. So verschwendete ich keine unnötige Energie in einem Sprint zu Beginn. Ich hatte schon während des Schwimmens ein gutes Gefühl. Obwohl der Neopren bei den Profis verboten war (Age Grouper durften ihn nutzen), lag ich gut im Wasser. Salzwasser ist einfach etwas Tolles;-)

Nach 28:08min erreichte ich auf Position 27 liegend, das Ufer. Neue, persönliche Schwimmbestzeit;-)

Auf dem Rad fand ich diesmal recht schnell meinen Rhythmus…..auch das war in diesem Jahr nicht immer der Fall. Leider wurde die Radstrecke aufgrund der Unwetter der letzten Tage komplett entschärft und es fehlten einige Höhenmeter. Das kommt mir natürlich nicht entgegen, da sich die schnellen Schwimmer so viel leichter zu Gruppen zusammenfinden. Zudem war der Asphalt manchmal wirklich mies…..

Ich überholte recht schnell einige Profis und lag am Wendepunkt bei KM 50 bereits auf Position 19. Da konnte ich dann auch zwei große Gruppen sehen, die mir entgegen kamen. Ich hoffte, bis zum Wechsel noch eine Gruppe zu kassieren.

Insgesamt war es eine gleichmäßige und wirklich gute Radperformance von mir (338W NP). Da ich aufgrund meiner Schwimmzeiten immer komplett alleine fahren muss, ist es für mich um so erfreulicher, mit der zweitschnellsten Radzeit des Tages, hinter Hawaii-Sieger Freddy van Lierde, ins Ziel zu kommen.

Nach 2:14h erreichte ich dann auf Position 13 liegend T2.

Gleich auf den ersten Kilometern fühlte ich mich gut und konnte mein anvisiertes Tempo von 3:35min/km laufen. Top versorgt durch unsere Supporter Linda & Micha, war ich stets über meine Position informiert und konnte mir den Halbmarathon perfekt einteilen.

Da die Strecke eine lange Gerade von fast 3km beinhaltete, sah ich viele vor mir positionierte Profis. Am Ende der 10,5km Runde ging es dann über winkelige und hügelige Wege über einen Golfplatz der Gloria Sports Arena. Coole Laufstrecke wie ich finde!

Auch hier zahlte es sich aus, Geduld zu haben. Bereits nach 9km lag ich auf Position 10, lange verfolgt von dem Weißrussen Anton Blokhin, dem 2. des Ironman Barcelona, mit dem ich mir auf Rügen bereits ein nettes Laufduell lieferte.

Aber dann passierte 6km lang nichts. Ich lief kontinuierlich die gleiche Pace und schob mich nur sehr langsam näher an die anderes Pros ran. Zumindest Blokhin konnte mir nicht mehr folgen.

Auf Rügen verlor ich am Ende etwas die Kraft und auch die Nerven, ein Fehler, den ich mir hier nicht mehr erlauben wollte. Also vertraute ich darauf, dass ich mein Tempo würde halten können.

Plötzlich passierte es dann. Ich kam an die Italiener Alberto Casadei und Ivan Risti heran. Beides ultra-schnelle Schwimmer und Läufer, die ich bisher noch nie geschlagen habe. Ich beschleunigte auf 3:20min/km um ihnen keine Chance zu lassen, sich an meine Fersen heften zu können……die Beiden waren ordentlich angeschlagen.

Bei KM 20 sah ich dann den Briten Harry Wiltshire, den Trainingspartner der Brownlee Brüder, direkt vor mir. Er litt…..ok, ich auch, aber nicht so sehr wie er. Also „all in or nothing“ und wieder 3:20er Pace.

Sehr glücklich erreichte ich dann nach 4:03h, mit der viert schnellsten Laufzeit des Tages (1:16h Halbmarathon), das Ziel auf Position 6 liegend. Neunter wollte ich werden, Sechster wurde es;-)) 40s fehlten am Ende auf Platz 5 und 3min aufs Podium. Wenn man den Schwimmrückstand von 7min bedenkt und die Tatsache, dass ich Rad+Lauf addiert hinter Sieger van Lierde auf Position 2 lag, weiß ich um so mehr, warum ich mich ab dem 9. November einer intensiven Schwimmvorbereitung ,wie ich sie so bisher noch nie gemacht habe, unterziehen werde. Triathlon ist eben nicht Rad+Lauf sondern Swim+Rad+Lauf…..größer könnte die Motivation für das bevorstehende, mehrmonatige Swim-Bootcamp aber nicht sein. Es ist immer gut, eine Saison mit einem guten Ergebnis zu beenden,-)

Insgesamt muss ich sagen, dass dies wohl mein bisher bester Triathlon war. Klar, ich war bereits noch weiter vorne in den Ergebnislisten, aber es kommt eben auch immer auf externe Umstände wie Wetter, Gegner, etc an. Ich bin mit meiner Leistung hier sehr zufrieden…..das kommt selten vor;-)

Besonders freue ich mich auch für Florian, der wie Johannes, die WM-Quali in seiner Altersklasse holen wollte. Wir haben in den letzten zwei Wochen super zusammen trainiert und auch er hat ein perfektes Rennen gemacht, welches mit Platz 2 in seiner Age Group und der Quali für Australien belohnt wurde. Chapeau !!

Bedanken möchte ich mich bei meinen Sponsoren. Ohne euch wäre es nicht möglich diesen Sport als Profi auszuüben. Ganz besonders möchte ich dabei MTS Globe hervorheben! Vielen Dank, dass ihr mir das ermöglicht !!!! (Los, klickt auf die Logos auf der rechten Seite der Homepage um mehr über jeden Einzelnen zu erfahren;-)

Ganz besonders möchte ich mich auch bei meiner Freundin, meiner Familie und meinen Freunden bedanken! Ich weiß, ich bin oft weg und habe immer wenig Zeit, aber ich finde es wahnsinnig toll, dass ihr mich trotzdem so unterstützt und mir den Rücken frei haltet! Danke euch!!!!!!

Nicht zuletzt geht auch ein großer Dank an meine Coachees und Trainingspartner. Mir macht die Arbeit mit euch so viel Spaß und ich freue mich immer wenn der Eine oder Andere mich im Training begleitet und so auch anspornt. Wenn man selber besser werden will, muss man die Leute um sich herum besser machen……ich würde sagen, dies ist uns allen in diesem Jahr sehr gut gelungen. Wir können ja bald eine eigen Maschine nach Australien chartern…..sofern ich es auch dorthin schaffe (verdammtes Profi-Reglement;-) Ich bin wirklich sehr stolz auf eure Ergebnisse!

Jetzt genieße ich mal 14 Tage die Offseason bevor es dann voller Tatendrang in die neue Saisonvorbereitung geht. Ich kann es jetzt schon kaum abwarten;-)

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All the best,

Matthias

 

 

 

 

 

 

 

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