Rennbericht zur Challenge Dänemark ;-)

Manchmal sitze ich hier und überlege was ich in einem Rennbericht alles schreiben soll, weil mir gar nicht so viel zum eigentlichen Rennen einfällt. Das ist dieses Mal anders, aber ich versuche mich kurz zu halten;-)

Die Fakten zu Beginn: 2. Platz bei der Challenge Dänemark in einer Endzeit von 8:19h….Bestzeit auf der LD um 33min verbessert! Wow, ich kann es immer noch nicht ganz glauben;-)

Der Swim:

Der malerische Fuglsang-See empfang uns gestern um 5:00 früh mit einem herrlichen Anblick:

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Normalerweise bereitet man sich bei Langdistanzen eigentlich immer noch bei Dunkelheit vor, denn es wird selten nach 6:30 gestartet. Auch in Dänemark wurde um 6:30 gestartet jedoch ist es hier ab 4:30 hell, ein großer Vorteil denn man fühlt sich einfach schon wacher und frischer. Generell muss man sagen, dass das Wetter an diesem Tag ein Traum war. Nicht zu warm, nicht zu kalt, kein Regen nur den Wind muss man mögen;-)

In den Tagen vor dem Rennen war ich bereits einmal auf der Wettkampfstrecke schwimmen und kam trotz der etwas umständlichen Kursführung gut zu Recht. Mir war klar, dass ich in dem kleinen Profi-Feld wohl keinen der anderen Jungs im Wasser würde halten können. Leider entfällt dann immer der Vorteil des Wasserschatten-Schwimens, doch ich bin es zumindest gewohnt alleine zu schwimmen;-)

Gespannt war ich, in wie weit sich das intensive Schwimmtraining in Wiesbaden mit Oliver Grossmann, würde auszahlen können. Meine bisherige Bestzeit in meiner schwachen Disziplin lag bei 1:02:30h.

Um 6:30 wurde es dann ernst:

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Aus meinem verkorksten Rennen beim Ironman 70.3 Malaysia habe ich einiges lernen können und so schwamm ich gleich zu Beginn mein eigenes Tempo ohne irgendwelche Sprints etc zu Beginn mitzumachen.

Bis zum Landgang nach ca 2,3km verlief das Schwimmen auch problemlos, danach versperrten mir zwei Kajaks leider kurz die Sicht und ich schwamm auf die falsche Boje zu. Bei der tief stehenden Sonne ist die Orientierung im Wasser manchmal nicht ganz leicht. Egal, der Schlenker kostete mich maximal 45s.

Nach 59:10min verließ ich das Wasser und nach 59:30min erreichte ich die Zeitmessmatte. Meine Bestzeit habe ich damit um über 3min verbessern können. Was jedoch viel wichtiger ist: Ich konnte direkt von Beginn an auf dem Rad mein Tempo fahren und musste mich nicht erstmal 15km „aktiv erholen“ wie ich es bei zu großer Laktatanhäufung im Wasser schon so oft erlebt habe. Natürlich ist es noch lange nicht die Endzeit, die ich im Wasser anstrebe, aber auch Rom „wasn’t build in a day“ und mit der Verbesserung bin ich mehr als zufrieden.

Trotzdem: Fast 10min Rückstand auf die Spitze bedeutete eine Menge Arbeit auf dem Rad;-)

Das Bike:

Der angesagte Gegenwind auf den ersten 90km trat auch wie versprochen ein. Ein Vorteil für starke Radfahrer. Meine Rennstrategie sah einen konservativen Beginn von 300 Watt für die ersten 45min vor bevor ich mich dann auf 310 Watt steigern- und bis zum Ende halten wollte. Bereits nach 70km hatte ich mich zwei Plätze weiter nach vorne gearbeitet. Ich fühlte mich sehr gut und konzentrierte mich voll auf ein gleichmäßiges Pacing denn ein zu euphorischer Beginn ist ein „Killer“ auf der Langdistanz. Meine Nahrungsaufnahme klappte prima und ich machte Platz um Platz gut. Ich fuhr auf den ersten 90km sogar schneller als die 3. und 4. platzierten Starter der Mitteldistanz, die bereits nach 90km auf die Laufstrecke durften (Olympia-Teilnehmer Clarke und Ospaly) 😉

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Ab Kilometer 93 wechselten sich dann Gegenwind- und Rückenwindpassagen ab und die Age Grouper der Mitteldistanz fuhren ebenfalls auf der Strecke. Es gab ein paar heikle Situationen denn gerade bei Rückenwind versuche ich Zeit gut zu machen (>50 km/h) während viele Age Grouper die Zeit nutzen um mal ordentlich durch zu schnaufen ( <30 km/h) 😉 Zum Glück ging alles gut und ich wurde teilweise frenetisch von überholten Sportlern angefeuert;-)

Mittlerweile hatte ich mich auf Position 4 nach vorne gearbeitet und konnte Platz 2 und 3 am Horizont erkennen. Die Jagd war also eröffnet;-) Generell werden Langdistanzen immer auf den letzten 30-40km beim Rad sowie nach KM 25 beim Laufen entschieden. Mein gutes Pacing ermöglichte es mir meine anvisierten 308 Watt bis zum Ende durchzufahren (Für die Insider: VI 1,02, IF 0,80). Ein ordentlicher Wert wenn man bedenkt, dass 97% der Zeit in Aero gefahren wurde. Bei KM 172 war es dann soweit, ich beschleunigte kurz auf 450W um den beiden Dänen jede Illusion eines möglichen „Mitfahrens“ bei mir zu nehmen und rauschte vorbei. Eine tolle Geschichte bei Challenge Rennen sind nämlich die 20m Drafting Zonen bei den Profis. So profitiert kein Athlet von seinem Vordermann und die dänischen Referees haben es auch mehr als ordentlich kontrolliert. Ich wünschte es wäre immer so….

Nach 4:18h und 41,7km/h im Schnitt wechselte ich dann in meine Laufschuhe.

Der Run:

Die 9min Rückstand auf den starken Biker und Vorjahressieger Chris Fischer hatte ich nach dem Rad auf 3min reduziert. Sein 2:57h Marathon aus dem Vorjahr, den er völlig ungefährdet mit 8min Vorsprung ins Ziel brachte, verrieten mir bereits, dass er deutlich schneller würde laufen können…..und das tat er auch;-) Als local Hero und dänischer Meister wurde er frenetisch von den zahlreichen Zuschauern an der Strecke angefeuert und natürlich wusste er über seinen knappen Vorsprung Bescheid. Leider machten sich bei mir gleich zu Beginn große Magen-Probleme bemerkbar und ich musste in den ersten beiden der sechs Laufrunden jeweils einen Dixie-Stopp einlegen. Diese habe ich in jeweils unter 1:30min absolviert. Bitte nicht zu Hause nachmachen;-) Dazwischen konnte ich jedoch gut laufen und versuchte Fischer, durch ein furioses Anfangstempo, nervös zu machen. Die ersten 21km lief ich in unter 1:22h. Aber Fischer auch;-) Die Verfolger hielten bis KM 30 gut mit, ehe sie abreißen lassen mussten und am Ende über 10min Rückstand auf mich hatten. Fischer lief aber eine beeindruckende 2:53h und somit 2min schneller als meine neue Bestzeit von 2:55h.

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Nach 8:19:04h erreichte ich, auf Platz 2 liegend, mit etwas mehr als 4min Rückstand das Ziel. Ein absolut unbeschreibliches Gefühl….denn zum einen tut es gut wenn die ganzen Schmerzen endlich (langsam) nachlassen und zum anderen war dies der mit Abstand größte Erfolg meiner sportlichen Karriere und eine absolute Super-Endzeit;-)

Danach gab es dann eine kurze Flower-Ceremony wobei wir alle 3 sichtlich Mühe hatten, auf das Podest zu kommen:

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Was ich heute erneut erfahren habe: Egal wie es einem geht, der Wille versetzt einfach Berge. Nach KM7 hatte ich Magen-Krämpfe wie ich es noch nie in einem Wettkampf erlebt habe. Sowas kann einfach bei der hohen Belastung über so einen langen Zeitraum passieren. Trotzdem werde ich natürlich nach den Ursachen forschen. Zum Glück waren diese immer nur von kurzer Dauer, doch die Gefahr (sich) aufzugeben ist in solchen Momenten natürlich riesengroß. Getreu dem Motto: „Pain is temporary, glory lasts forever“ habe ich mich aus diesen Situationen heraus gezogen und konnte dieses (für mich) grandiose Ergebnis erzielen.

Ohne meine Freundin Susanne und Micha hätte ich dies aber niemals geschafft. Von Zwischenzeiten über mentale Anker bis zur energetischen Versorgung bei Bike und Run haben die beiden alles für mich gemacht und so diesen Erfolg erst möglich gemacht. Langdistanzen bei den Pros sind ohne ein Team nicht auf dem Level zu absolvieren…das weiß ich jetzt ganz genau!

Mein Tipp: Trainiert nicht nur euren Körper, sondern kümmert euch auch um euren Kopf, denn wer hier nicht 100% beisammen ist, verschenkt vielleicht ein ganzes Rennen!

Am Abend gab es dann noch ein kleines Wetttrinken aus den 4l Gläsern des Sponsors was Tradition bei der Challenge Dänemark hat….die Dänen sind schon ein lustiges Völkchen;-)

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An dieser Stelle möchte ich mich nochmal ganz herzlich bei meinen Sponsoren bedanken, ohne die das alles nicht möglich wäre sowie natürlich für die zahlreichen Nachrichten, Glückwünsche und das Mitfiebern!

Jetzt erhole ich mal ein paar Tage und dann geht es auf in neue Abenteuer;-)

Bleibt sportlich,

ein sehr glücklicher Matthias

 

2 Kommentare zu “Rennbericht zur Challenge Dänemark ;-)

  1. Freut mich echt total für Dich! Herzlichen Glückwunsch zu Deiner Leistung und dem Top-Ergebnis! Du bist ziemlich genau die Splits von Normann Stadler bei seinem Hawaii-Sieg 2006 gefahren und gelaufen: 4:18:23 vs 4:18:25 und 2:55:03 vs 2:55:28. Da geht was 😉

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